Die Zukunft kommt aus dem 3D-Drucker!?

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Gedanken zur Zukunft des Bauwesens

Mit der Zukunft ist das so eine Sache. Sie fasziniert uns und keine Branche kann sich leisten, nicht über sie nachzudenken. Anlässlich des Germerott-Kundenevents 2016 hatte ich die Gelegenheit, darüber in einer Keynote anhand von drei Kernfragen zu reflektieren:

1. Was kommt?
2. Was bleibt?
3. Woran glaube ich?

Was kommt?

Es gibt einen ungebrochenen Trend zur Urbanisierung. Nicht nur die großen Megametropolen dieser Erde werden weiter wachsen, sondern nahezu alle Städte. Der Platz ist begrenzt und Wohnraum wird sich weiter verteuern. Da sind Lösungen gefragt – und Visionen.

Eine dieser Visionen sind die sogenannten „Vertical Cities“: Überdimensionale Hochhäuser, die vertikale Kleinstädte in der Metropole für 200.000 Einwohner und mehr sind.

Vertical Cities

Hochhäuser stellen nicht nur architektonisch große Herausforderungen dar. Sie sind auch energetisch heute immer Zuschussprojekte. In seinen Konzepten der „Vertical Cities“ hat der Hamburger Visionär Jens … durch die Integration von Aufwindkraftwerken, Photovoltaik Fassaden und Geothermal Systemen gleich drei regenerative Energiequellen vereinigt, die diese Mega-Hochhäuser sogar zu echten Aktivhäusern machen sollen, d.h. die produzieren mehr Energie als sie verbrauchen.

Andere Visionen sehen die Perspektiven in einem Leben auf dem Wasser. „Schwimmende Inseln“ oder gleich größer gedacht als „Floating Cities“.

Die Zukunft unserer Städte und Lebensräume beflügeln die Entdecker und Eroberer-Fantasien von uns Menschen seit jeher. Doch abseits von neuen Lebensräumen verändern sich die bestehenden ihrerseits massiv. Die Digitalisierung ist eine dieser exponentiellen Technologien, deren Veränderungskraft der Deutsche Ökonom Schumpeter schon mit dem Phänomen der schöpferischen Zerstörung beschrieben hat.

„Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden – ob es uns gefällt oder nicht.“

Die Beispiele für die Digitalisierung lassen sich in allen Bereichen finden. Die Musikindustrie ist eine der ersten Branchen gewesen, die durch die technologische Entwicklung von der CD zum mp3 nachhaltig verändert wurde. Die Veränderung geht dabei weit über den eigentlichen Akt der Digitalisierung hinaus, der streng genommen noch nichts Neues geschaffen hat. Digitalisierung bedeutet nur die Effizienzvorteile und Rationalisierungsgewinne der Umwandlung analoger Dinge in Nullen und Einsen realisieren. Was die Musikindustrie in Ihren Grundfesten erschüttert hat, war die darüberhinausgehende digitale Transformation. Die Geschäftsgrundlagen haben sich verändert. Große Musiklabel haben ihre Macht als „Gatekeeper“ zwischen Musikern und uns Konsumenten verloren. Musiker vermarkten sich direkt uns stehen über facebook, YouTube & Co. Im Direktkontakt mit ihren Fans. Und noch etwas hat sich drastisch verändert: Unsere Einstellung zur Nutzung von Musik.

Bei Bertelsmann im Vorstand war man Ende der 90er-Jahre noch davon überzeugt, dass es uns immer wichtig sein wird, Musik zu besitzen und sie in Form der CD im Regal stehen zu haben. Heute wissen wir, dass die Entwicklung dahingeht, dass wir Musik gar nicht mehr einzeln kaufen, sondern im Abo als Stream beziehen – bei Amazon Musik, Apple Musik oder Spottify. Dafür geben wir mehr Geld für Konzerte und Festivals aus, auf denen wir authentische Erlebnisse in der Gruppe mit Gleichgesinnten erleben. Kein Widerspruch, sondern ein ergänzendes Bedürfnis in Zeiten der digitalen Transformation.

Und die Digitalisierung bleibt nicht bei der Musik stehen.
• Sie schafft digitale Währungen wie beispielsweise Bitcoin, die auf Basis der sogenannten Blockchain in disruptiver, dezentraler Form ganz ohne Zentralbank transparent macht, wem etwas gehört.
• Sie erweitert unsere Wahrnehmung um neue, „augmented“ Realitäten. In Form von VR-Brillen lassen wir uns somit in virtuellen Trainings neue Kompetenzen antrainieren oder wir lassen Realität und Virtualität in Brillen mit Zusatzeinblendungen wie bei der Hololense von Microsoft verschwimmen.
• Sie ist die Basis der Algorithmen, selbstlernenden System und der künstlichen Intelligenz, die in der Allianz mit Spracherkennungssystemen (bspw. Siri oder Alexa) und Robotern immer mehr Aufgaben vollständig oder in Teilen übernehmen, die früher von Menschen geleistet wurden.

Was ist mit der Baubranche?

Es gäbe viele Beispiele mehr zu nennen, aber das Prinzip ist klar: Alles wird digitalisiert – auch in der Architektur und der Baubranche.

Die Zukunft kommt aus dem 3D-Drucker

Mit BIM existiert bereits länger ein Schlagwort, das viele mit der Digitalisierungstendenz in Architektur und Bauwesen verbinden. Die Rationalisierungsvorteile sind offenkundig, wenn alle Informationen zu einem Gebäude, den daran beteiligten Gewerken und den Statusinformationen in Echtzeit in einem einzigen Modell vorliegen und von allen Beteiligten geteilt werden können.

Doch damit nicht genug. Wenn die Baupläne digitalisiert sind, dann können sie auch von Maschinen viel einfacher und präziser ausgeführt werden. Erste Häuser können heute bereits in ihren Grundmauern „gedruckt“ werden. Prof. Behrokh Khoshnevis (Universität Südkalifornien) hat dazu einen 3D-Drucker entwickelt, der ein rund 250 m² großes Haus in 24 Stunden errichten kann.

Es ist jedoch nicht nur so, dass wir Maschinen Arbeiten überlassen, die wir bislang selnbst ausführen. Maschinen können auch mehr als wir. So ist der „In situ Fabricator“ ein Roboter, der direkt auf der Baustelle zum Einsatz kommt und dort runde Wandkonstruktionen in einem Durchgang drucken (Stahlgitter) und gießen (Beton) kann.

Roboter erobern die Baustellen

Denkbar ist dann in naher Zukunft auch, dass Strom- und Datenleitungen für das „Smart Home“ gleich in die Wände eingedruckt werden.

Auch wenn es heute angesichts der Schwierigkeiten einen Handwerker zu bekommen noch sehr weit weg erscheinen mag, auch die Baubranche steht vor einer digitalen Transformation – nicht nur vor der Digitalisierung. Man stelle sich nur vor, wie die Branche funktioniert, wenn wir BIM mit 3D-Druck und den Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz in der Optimierung von architektonischer Planung und Steuerung kombinieren …?!

Was bleibt?

Der Mensch – und damit unsere Bedürfnisse und sozialen Eigenschaften. Wir werden auch in Zukunft ein Zuhause für uns und unsere Familien haben wollen – mit oder ohne Alexa. Wir wollen es aber auch bequem und bezahlbar haben. Und weil das so ist, werden wir die Komfort- und Effizienzvorteile der neuen Technologien nutzen.

Dennoch sind wir die Konstante im gesamten Zukunftsspiel – was allerdings auch bedeutet, dass wir der limitierende Faktor sind. In unserem Denken folgen wir linearen Pfaden und wollen oft nicht aus unserer Komfortzone heraus. Gerade die Unternehmen der Baubranche, die heute stark sind und von existierenden Verfahren profitieren, sind diejenigen, die am stärksten gefährdet. Denn diese Unternehmen haben bei Veränderung am meisten zu verlieren und gleichzeitig das Problem, dass Veränderungen schwierig zu argumentieren sind, „wenn’s läuft“.

Die Konstante ist der Mensch

Was bleibt ist die Herausforderung des exponentiellen Wandels und unsere Haltung und Einstellung dazu. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit – das wusste schon meine Großmutter zu berichten. Und diese Erkenntnis ist in Zukunft noch viel wahrer, weil die Zeitfenster zur Anpassung immer kürzer werden.

Woran ich glaube

Es gibt keine Alternative zur Akzeptanz der exponentiellen technologischen Entwicklung. Es geht aber nicht um die Technologie an sich, sondern vielmehr um eine zukunftsoffene, neugierige und über die Grenzer der eigenen Branche hinausgehende Haltung gegenüber diese extremen Veränderungen.

„Neues Denken ist eine Frage der inneren Haltung.“
Hans-Otto Schrader, OTTO Gruppe

Nach der digitalen Transformation bleibt die Transformation. Die eigene Veränderungsfähigkeit ist für uns alle die wichtigste Eigenschaft, die nicht nur das Überleben, sondern das Nutzen der Chancen für die eigene Weiterentwicklung sichert. Das Wissen selbst verliert an Bedeutung, denn es steht im Netz. Und damit können Algorithmen jederzeit darauf zugreifen. Aber unsere Fähigkeiten zur Empathie, unsere Kreativität und unsere Fähigkeit die Dinge jeden Tag in Frage zu stellen und die Perspektiven zu verändern, machen uns einzigartig.

Machen wir uns also auf, die Silos unserer eigenen Branche, unserer eigenen Organisation oder unserer eigenen Abteilung zu verlassen. Damit erhöhen wir unsere Schnittstellen- und Vernetzungskompetenzen. Und hier liegen die Wettbewerbsvorteile von morgen – auch und gerade in der Baubranche.

Über den Autor

Ingo StollIngo Stoll zählt zu den digitalen Pionieren Deutschlands und hat bereits 1998 sein erstes Grundlagenwerk zum digitalen Marketing der Zukunft publiziert.

Heute berät der Mehrfachgründer und freie Berater Unternehmen in Fragen digitaler Strategien sowie in der erfolgreichen Bewältigung der digitalen Transformation.

In seinem Label #MoT – Masters of Transformation geht es um Konzepte, Austausch und interdisziplinäre Qualifizierung für die Zukunftsbefähigung von Organisationen. Sein aktueller Podcast (#MoTcast) beschäftigt sich im Dialog mit Vordenkern und Machern mit den großen Fragestellungen der Zukunfts- und Veränderungsbefähigung.

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